Ich bin mir nicht ganz sicher, wo wir beim Thema Digitalisierung genau stehen. Als ich zuletzt über verschiedene Fortbewegungsmittel nachgedacht habe, sah ich deutlich, die Entwicklung nimmt rasant zu. Während sich früher Pferde beweisen mussten und der Misthaufen mehr und mehr wurde, scheint das alles heutzutage deutlich eleganter zu funktionieren. Den Pionieren von gestern sei Dank! Vom Misthaufen zur Dampfmaschine zu Tesla, Robotern und der künstlichen Intelligenz.

Der Begriff “künstliche Intelligenz” selbst ist noch gar nicht so alt und kam im 20. Jahrhundert auf, nachdem die Physik die Chaostheorie durchleuchtet hatte und herausfand, dass manche Dinge zwar erforschbar, aber nur schwer beeinflussbar sind. Das Wetter ist hier ein gutes Beispiel. Auch bei der künstlichen Intelligenzen geht man davon aus. Von Intelligenz wird gesprochen, wenn selbstständiges Denken möglich ist, von künstlicher, wenn programmierte Aufgaben ausgeführt werden können und das Programm von Mal zu Mal dazulernt. Die Steigerung wäre die Superintelligenz (SI), die den Menschen, so hart es klingt, zumindest in vielen Aufgaben, komplett überflüssig machen könnte. Wissenschaftler meinen 2100 könnte die erste Superintelligenz exisitieren und den menschlichen Denkprozess nachahmen.

Macht sich der Mensch dadurch keine Konkurrenz? Wem nützt das? Und denkt jemand an die Moral? Der Reihe nach! Grundsätzlich ist Technologie nichts, was der Menschheit im Großem schadet. In vielen Bereichen ist das zu erkennen. Auch die einfache Registrierkasse ist Technologie, die hilft. Die Dampfmaschine war eine größere Revolution, da Arbeitsprozesse umgeworfen wurden und soziale Fragen angesprochen. Der Umbruch hat viele Menschenleben gekostet und gerettet. Schauen wir vom heutigen Standpunkt auf England zu Beginn der Industrialisierung. Heute stehen wir besser und auch deutlich sozialer da. Menschen sind keine Maschinen in Fabriken. Was der Mensch mehrheitlich möchte, ist die künstliche Intelligenz sinnvoll und nachhaltig zu nutzen. An dieser Stelle spielt die Moral einer jeweiligen Gesellschaft eine Rolle. Fragt man Wissenschaftler nach ihrer Verantwortung, ethische Grundsätze wie bei der Entwicklung von KI zu berücksichtigen, ist nicht ganz klar, wie genau dieser Prozess aussieht. Zwar hat einer der großen Vorreiter der KI , Google, eine Regelkunde zum ethischen Umgang mit künstlicher Intelligenz eingeführt und die EU mit der Datenschutzgrundverordnung klargestellt, dass man nicht alles mit Daten machen darf, entwickeln Wissenschaftler trotz moralischen Bedenken weiter an “ihrer” KI. Dann halt in den USA. Anderer Wertekanon sei Dank.

Ach, die Absicht dahinter – Neue DaVincis zu schaffen, klar! Wer kennt das nicht, er läuft durch die Straßen und kann sich gar nicht von Künstlern retten, die mit Pinsel und Leinwand die Umgebung abpausen und alle Zeit der Welt wirklich würdigen. Von wegen brotlose Kunst. Sogar in den Zentren unserer politischen Teilhabe findet sich Kunst. In einem Bürogebäude des Bundestags, dem Paul-Löbe-Haus, ist eine Lichtinstallation angebracht und schafft Atmosphäre im hohen Haus der politischen Intelligenz. Jeder Mensch hat andere Interpretationen von Kunst .

Als der SPD-Politiker Willi Brandt appellierte “Wir müssen mehr Demokratie wagen”, war eine große Euphorie in der Bevölkerung. Denkbar, dass Politiker der neuen Zeit appellieren “Wir müssen mehr Digitalisierung” wagen”.Die Vorteile überwiegen den Nachteilen. Spätestens wenn im Krankenhaus die künstliche Intelligenz das Leben in einer Operation rettet, werden das auch Smartphone-Fanatiker merken. Selbstverständlich gibt es immer Rückschläge. Auch im Krankenhaus. Robodoc war eine Erfindung, die 1990 zu viel Knochen abgefräst hat und aus den Operationssälen hochkant wieder rausflog. Bewährt hat sich in Unikliniken ein Konzept, das Überbelegungen erkennt und Ärzte besser verteilen kann.

Wo ständen wir heute, wenn wir nichts wagen würden? Hier bilden Demokratie und Technologie eine Schnittmenge. Eine unerlässliche. Nur so sind Smart cities, also Städte, die z.B. Straßen ausschließlich für selbstfahrende Autos nutzen, denkbar. Stellen wir uns mal vor, ein Wissenschaftler entwickelt eine Superintelligenz, und nur er hat davon einen Nutzen. Das wäre nicht demokratisch. Wenn KI demokratisch ist und gleichzeitig Emotionen besitzt, gehen wir bald ganz neue Wege. Nicht nur ins Badezimmer zu Alexa.

Das Bild von meterhohen Misthaufen ist überwunden. Die Frage ist, ob dieser “Misthaufen” heutzutage nicht mehr aus Pferdeäpfeln, sondern aus Daten besteht. Fakt ist, der Datenhaufen schafft Zukunft und trägt zum besseren Nutzen unseres Selbst bei. Und Pferde gibt es ja trotzdem noch. Glück auf!